header

Besucher:  




Bilder:

green bullet
Bonn 2006
Hangelar 2006
Köln 2006
Jungfrau 2006 Grillen 2007
Summer Run 2007
Triathlon Siegburg

Infos:

green bullet
TuS Laufkalender


Links:

green bullet
Activ Running-Center in Bonn


Summer-Run 2007 von Marion und Freddy

Es ist der 24.6.2007 am Sonntagmorgen. Auf meinem Kopfkissen schnurrt die Katze und der Wecker läuft Amok. Es ist 5:50 Uhr in der Frühe und mein erster Fluch gilt den beiden Scouts Marion und Freddy, die nicht nur mich sondern eine größere Gruppe Menschen an diesem Sonntagmorgen auf eine harte Probe stellen: Frühaufstehen!

Im Abschluss unseres Gruppenabends nach dem Köln-Marathon haben sie zu einem Überraschungslauf eingeladen. In meiner ersten Euphorie habe ich sofort zugesagt und die geforderten 10,- € eingezahlt. Zu dieser Zeit wusste ich nicht, dass ich deswegen so früh aufstehen muss. Vier vorbereitende Mails der Scouts haben nach und nach einen Spannungsbogen aufgebaut und kleine Tipps zur Strecke gegeben. Jeder Teilnehmer sollte eine Prognose zur Strecke abgeben, die aber bis zum letzten Moment geheim blieb. Es wurde sogar gemutmaßt, dass die Veranstaltung uns bis nach Köln in den Klingelpütz bringen würde. Es sollte nur wenige hundert Meter daran vorbeigehen…

So stehe ich mittlerweile neben meinem Bett und bin eigentlich versucht, mich glatt wieder hinzuschmeißen, aber so ein innerer Schweinehund gehört bekämpft. Man will sich ja auch nicht vor den anderen blamieren. Also der besten aller Frauen einen Kuss auf die Wange hauchen (bloß nicht wecken) und ran an die Zahnbürste und dann in die Küche. Eigentlich ein Glück, dass nicht alle Mitläufer bei mir nächtigten: Was hätte meine bessere Hälfte zu so vielen Küssen mitten in der Nacht wohl gesagt? Nach dem ersten Espresso war die Welt schon etwas freundlicher und nach dem Frühstück ging es ans Packen. Was ich laut den Scouts alles einpacken sollte wunderte mich zwar, aber brav wie ich bin, wanderte alles in den geforderten Rucksack. Laufklamotten, Startnummerband, Sicherheitsnadeln, dunkle oder neutrale Jacke oder Sweatshirt, Geld für den Aprés-Run und ein Filzstift. Na was das wohl soll? Keine Ahnung, ist auch egal jetzt. Also auf zum avisierten Treffpunkt am Busbahnhof Troisdorf - Bahnsteig B. Um  7:45 Uhr war pünktliches Erscheinen gefordert. An anderen Orten wurden gar Fahrgemeinschaften gegründet, um allzu müde Krieger nicht auf dem Weg zum Start wieder zu verlieren, was letztlich auch glückt: Es trudeln termingerecht 16 Personen ein, mir teilweise bekannt, teilweise nicht. Läufer der LT Meindorf, MUT Troisdorf und Lauftreff Siebengebirge waren alle in Laufsachen, bepackt mit Rucksäcken erschienen und genauso ungewiss über den weiteren Verlauf wie meine Wenigkeit.

Dann wurden wir von den Scouts aufs Herzlichste begrüßt, die von einem Haufen müder und unmotivierter Gesichter angeschaut wurden. Die ließen sich aber nicht von uns erschrecken und verteilten umgehend Preise an den besten Prognosen-Abgeber  Uwe, der sogleich eine Nachrichtensperre verhängt bekam und den schlechtesten (oder auch kreativsten) von Hage. Dann erhielt jeder ein wunderbar selbst hellblau gefärbtes und von Hand bemaltes "Funktions"-T-Shirt: Es sollte funktionieren mit dem Blamieren….
Ich sage zur Farbe nur: „Bezaubernd, es ist ein Junge ;-)“.

Der Rucksack sollte nun noch voller werden: Geschenke, Startnummer und ein Versorgungspaket mit Sportnahrung, Körperpflegemittel, Pflaster und eine Fruchtgummischlange. Das Rosa des Tages verstärkte sich langsam – die Regentendenz gleichsam auch.
Damit aber niemand im Laufe des Tages abhanden kommen würde, erhielt jeder Läufer einen Partner zur Seite gestellt. Dann wurde offensichtlich, wofür der Filzstift gedacht war: Jeder durfte sich auf allen T-Shirts verewigen. Das war schon lustig als Marion mir recht ruppig sagte, dass ich mich jetzt mal bücken solle. Auf meinem kleinen 84 Kilo Rücken war für Ihre Signatur scheinbar nicht genug Platz! Und irgendwie fing es nun an Spaß zu machen. Früh aufstehen hin oder her. Die Scouts gaben jetzt alles!

Es folgte der Zeitpunkt der Wahrheit! Die Scouts offenbarten uns das Ziel der Reise. Es ging nach Köln, wo ein weiter Scout uns erwarten sollte, da Marion und Freddy sich der Steckenführung nicht alleine gewachsen fühlten. Also rein in den Zug und ab nach Köln Hbf.   

In Köln erwartete uns dann Guido, der sich in Köln erstklassig auskennt (und dies während des Laufes noch beweisen sollte). Er opferte für uns seine Zeit und auch noch seinen Wagen, so dass wir unser Gepäck konspirativ in der TG des Bahnhofs zurücklassen konnte.
Und dann ging es endlich auf die, wie er erwähnte "ca. 15,3 km" lange Strecke durch Köln. Naja, warum er wohl "zirka" sagte? Wir sollten es noch erfahren!

Vom Dom starteten wir leicht über die Hohenzollernbrücke (Kölner nennen Sie „Muusfall“) auf die „Schäl-Sick“ (Deutzer Seite).
 
Weiter durch den  Tanzbrunnen, der Vorbild für das alte Münchner Olympiastadion Anfang der 70er Jahre war – liefen wir Richtung Zoobrücke – die erste richtige Bergwertung mit "Dodo-Punkten" auf der Strecke. Und über diese zurück auf die andere Rheinseite, "downhill" sozusagen.

Jetzt wäre es eigentlich ein Leichtes gewesen, wieder zum Ausgangspunkt zu gelangen, doch Guido nutzte unsere Unwissenheit schamlos aus und so ging es in einem großen Bogen in Richtung Grüngürtel. Dabei wurde nicht nur gelaufen, sondern auch gelernt. Oder wer außer Guido kannte denn vorher schon die Geschichten um den äußeren Befestigungswall, die Forts, das Pascha und viele andere?
Besonders das Pascha war ein Highlight, aber wir durften nicht hinein. Lag es nur daran, dass unser Taschengeld für die 3-5 Minuten nicht gereicht hätte? Oder daran, dass wir mittlerweile etwas müffelten? Oder war es wirklich deshalb, weil dort unsere Mädels nicht willkommen gewesen wären? Jedenfalls traute sich keiner vorzugehen – und so trabten wir wieder locker weiter Richtung Colonius.

Dann erfolgte der erste (und Einzige) "große" Anstieg – auf der Dodo-Skala mit verdammt schwer bewertet. Er wurde von Freddy mit 650 Höhenmetern angekündigt, aber durch lange Erosion über die letzten Jahrtausende waren nur etwa 30 davon übrig geblieben…. Der Aufstieg auf den Mont Klamott (Herkulesberg) war der Gelände-Höhepunkt der Runde. Dieser Schuttberg aus der Nachkriegzeit grenzt an den Mediapark und ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil des Kölner Grüngürtels.

Wer jetzt hoffte, dass es bald wieder den Dom zu sehen gäbe, den enttäuschte ein wunderschöner weiterer Links-Bogen in Richtung Südstadt. Zum Glück merkten wir dann, dass der Rhein im Weg war, brachen den Bogen ab und es ging am Rhein zurück Richtung Zentrum: Und statt geradeaus Richtung Dom nahm Guido seine "Abkürzung" über die Severinsbrücke erneut auf die Schäl Sick. Jetzt hieß es für alle Zähne zusammenbeißen: Die Schritte wurden schleppender, die Gespräche weniger, und zum Glück waren keine Parkautomaten aufgestellt, denn bei der Geschwindigkeit hätten wir sonst fast Geld einwerfen müssen ;-)

Dann aber war das Ziel für Alle in greifbare Nähe gerückt: Die Hohenzollernbrücke und dahinter der Dom. Es hieß letzte Kräfte am entscheidenden Anstieg auf die Brücke mobilisieren, wo der Chef-Paparazzo Hage auch schon die verzerrten Gesichter einfangen wollte. Aber weit gefehlt: Alle federten leichten Schrittes und elfengleich die letzten Höhenmeter – locker in die Kamera lächelnd – empor. Noch kurze kindliche Sprinteinlagen auf der Brücke und dann war es soweit: Ziel da – und jetzt war auch klar, warum Guido am Anfang "zirka" sagte: Nach Überprüfung aller Hightech-Geräte an Oberarmen, Unterarmen und Fußgelenken, Justierung der Satellitenstände und technischen Diskussionen kam die Wahrheit zu Tage: "zirka" 17,3 km.

Zwei Kilometer mehr als geplant. Etwas über 2 Stunden. Aber davon haben sich auch jeder Meter und jede Minute gelohnt.
Die Strecke war abwechslungsreich und informativ dank unserer tollen Guides und Initiatoren. Die Gruppe war stets guter Laune und das Wetter spielte perfekt mit, denn anders als noch beim Start in Troisdorf erwartet, fiel kein Tropfen Regen und so kamen wir nur nass vom Schweiß zurück zum Auto, den babyblauen "Funktions"-shirts sei dank...

Hier erwartete dann den Parkhauswächter noch Erstaunliches. Es ist eher nicht die Regel, dass 16 Läufer, Männlein wie Weiblein, sich die Klamotten vom Leib reißen, um sich abzutrocknen und umzuziehen. Der Mann erlitt vor dem Monitor der Überwachungskamera sicherlich einen kleinen Herzkasper ob der Hemmungslosigkeit einzelner (ohne hier Namen zu nennen).

Wer denkt, dass diese Auswüchse nun ein Ende gehabt hätten und alle nach Hause wollten, der täuscht sich gewaltig. Jetzt kam die unauffällige Kleidung zum Tragen. Denn es war die Besteigung des Kölner Doms geplant. Endlich ein richtiger Berg, endlich wieder schwitzen, endlich mal die ganze Strecke von oben sehen. Und dann: Geschlossen!
Wer hatte das nur geschafft, den Küster davon zu überzeugen, den Zettel anzubringen? Wahrscheinlich Freddy selbst, schaute er doch besonders zufrieden drein….
Jedenfalls glaubten es alle und so mussten wir gleich  zum nächsten Programmpunkt schreiten und den, von den Scouts reservierten Tisch im Früh besetzen. Hier gab es etwas Gerstensaft zum Wiederauffüllen der Flüssigkeitsspeicher und ein paar Kleinigkeiten zum Essen. So, jetzt könnte alles so locker ausklingen, wenn, ja wenn…

…da nicht eine Gruppe Frisösen aus Limburg vor dem Früh gestanden hätten, die ein Opfer für ihre Chefin suchten: Die nämlich feierte ihren Junggesellinnenabschied und suchte dringend Kopfhaar zum Kürzen. Gegen Spende versteht sich, um ihre Truppe freizuhalten.
Ängstliche Laufkolleginnen nahmen Reißaus – ungeföhnte Laufkollegen dachten noch darüber nach, ob es sich denn überhaupt noch lohnte, sich an das Haupthaar (um das sollte es gehen) heranzuwagen.
Und da sich dann keiner erbarmte, ich erbärmlich ausschaute und die Mädels "spektakulär" auf den T-Shirts stehen hatten, wurde ich mutig. Ja, ich traute mich – und wurde mit einer perfekten Frisur belohnt. Und mit einer Menge freundlicher Gesichter, die sich so langsam um mich scharten. Ein tolles Erlebnis war es dann schließlich auch für die Mädels, die einiges von den "Zuschauern" als Trinkgeld und von mir als Lohn gespendet bekamen.

Der Rest ist dann schnell erzählt: Sachen holen aus Guidos Audi – und ihm nochmals herzlich danken für seine tolle Führung! Er hat unser dickes Lob mehr als verdient. Während er dann im Auto die Heimreise antrat, fuhren wir nochmals mit dem Zug nach Troisdorf. Etwas stiller als morgens, deutlich stiller als im Früh war es dann dort, denn obwohl der Tag sehr schön war, war er auch ein wenig anstrengend.

Der Abschied in Troisdorf durfte natürlich nicht ohne ein riesengroßes & herzliches Dankeschön für Marion und Freddy bleiben. Eine lange Zeit der Vorbereitung hatte ihren Höhepunkt gefunden. Mit viel Aufwand und Liebe zum Detail haben sie uns einen schönen Tag bereitet. Alles andere als selbstverständlich und sicher viele Punkte für den Scout-Pokal 2007 wert! Ich glaube, aus der Sicht aller, die dabei waren, habt ihr den heute schon sicher!

Autoren: Hage + Dodo